Mehlemer Quartettverein 1908 e. V.
Mitglied der Chorverbandes Nordrhein-Westfalen im Deutschen Chorverband

 

 

Unwetter zerstört Archiv des MQV

 


 

2008 wurde der MQV 100 Jahre alt, 100 Jahre, in denen sich vieles an Dokumenten, Ehrenurkunden, Pokalen,
Wandtellern, Medaillen, Bildern und Schriftstücken in einem Vereinsarchiv angesammelt hat.
In Köln nennt man das im Frühjahr 2009 eingestürzte Stadtarchiv das „Gedächtnis von Köln“, in unserem Falle ist es nicht anders,
auch wenn der Verein mit seinen Dokumenten nicht im Entferntesten an ein über Jahrhunderte gewachsenes Archiv heranreichen kann.
Es wäre auch vermessen, hier einen Vergleich anzustellen. Und doch tut es weh zu sehen,
wenn die Annalen eines Vereins innerhalb weniger Stunden fast völlig zerstört werden.

In den Nachmittagsstunden des 3. Juli 2010 wird der sonst so harmlose Mehlemer Bach zu einem reißenden Strom,
als der Himmel seine Schleusen über der Gemeinde Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis öffnet und Straßen, Keller und Häuser überflutet.
Die gewaltigen Wassermassen sammeln sich im Bett des Baches, der von Werthhoven im Drachenfelser Ländchen über
Oberbachem und Niederbachem nach Mehlem führt und dort in den Rhein mündet.

 

         

Der Mehlemer Quartettverein lagert seine Archivalien in einem Keller des alten Pfarrhauses an der Meckenheimer Straße,
welcher unter normalen Umständen sowohl von den Hochwässern des Rheins als auch von starken Regenfluten nicht betroffen ist;
doch diese außergewöhnlichen Regenfluten erreichen auch das höher gelegene Pfarrhaus mit seinem für die Kirchenbesucher reservierten Parkplatz,
auf dem mehrere PKW in den Fluten versinken und die schmutzige Brühe über den Kellereingang in den Archivraum dringt.
In Blitzaktionen versuchen mehrere Vereinsmitglieder zu retten, was möglicherweise noch zu retten ist,
doch der Zugang ist durch die Gewalt des Wassers unmöglich; zudem sich die stählerne Eingangstür nicht öffnen lässt.
Das Wasser steht mittlerweile etwa 1,60 m hoch in den Kellerräumen, es hat die elektrischen Versorgungsanlagen überflutet,
so dass Lebensgefahr beim Betreten des Kellers besteht; die Feuerwehr verbietet den Zutritt zu den Kellerräumen.
Jetzt heißt es abwarten, bis sich die Fluten verflüchtigt haben und der Keller ausgepumpt ist.

Nach Beseitigung der Schlammmassen durch die städtischen Bediensteten und die Feuerwehr wird endlich nach einer Woche der Zugang ermöglicht;
jetzt erst ist das Ausmaß der Zerstörung ersichtlich. Entsetzen macht sich breit. Die Fülle der Archivalien - zum größten Teil verpackt in
Plastikfolien und verstaut in Regalen – hielten den Wassermassen nicht stand; die Regale stürzten um und die Plastiksäcke versanken in den Fluten.

Die Ausstellungsvitrinen, Zelte und Partygeräte für die Vereinsfeiern müssen größtenteils entsorgt und neu angeschafft werden.
Der materielle Schaden ist weitgehend überschaubar, doch der ideelle Verlust nicht messbar.
Die seit etwa 30 Jahren von Hans Liehsem betreute Sammlung aller Urkunden, Vereinsdokumenten, Zeitungsausschnitten und Bildern
seit der Vereinsgründung im Jahre 1908 wurde unter dem Vorsitzenden Otto vom Hoff von Karl Bohle Mitte der 1960er Jahre begonnen.
In ihr erschließt sich die komplette Vereinsgeschichte und ist in großen Teilen unwiederbringlich verloren.
Diese Sammlung in 15 Ordnern, reichlich bebildert, geordnet in verschließbaren Plastikkisten war gelagert in den Ausstellungsvitrinen.
Die braune Brühe drang durch sämtliche vermeintlich sichere Öffnungen. Jetzt versucht Hans Liehsem
mit großem Engagement die Dokumente zu trocknen und zu retten, was noch einigermaßen brauchbar ist und in neuen Mappen zusammenzustellen.
Jetzt wünscht man sich professionelle Hilfe und entsprechende Geräte zur Trocknung dieser Utensilien.
Zeitungsausschnitte und einige Urkunden können gerettet werden, die meisten Bilder, an dokumentarischem Wert nicht zu übertreffen, sind leider verloren.


Im Garten des Vorsitzenden Paul Friedrich Schorn (Bild oben) erfolgt die Reinigung mit viel Wasser und Muskelschmalz.
Wir müssen wir uns von den alten, zum Teil wertvollen Holzbilderrahmen der großformatigen Plakate und alter Vereinsbilder trennen und versuchen,
Teile der Dokumente zu säubern und gedanklich nach Artikel 4 des Kölschen Grundgesetzes zu handeln: „Wat fott es es fott“

 

Die seit der Gründung geführten Protokollbücher sind erhalten geblieben und lagern wie das  gesamte Notenmaterial des Vereins an anderer Stelle.
 

J. Glauner

 

 

Hochwasser 2013

 

Nach nur drei Jahren ging am 20.06.2013 wieder ein Wolkenbruch in ähnlicher Stärke wie im Juli 2010 nieder.
Diesmal betraf er nicht allein das Ländchen und Mehlem, sondern den ganzen Raum Bonn.
In Mehlem ging der Bach im Bereich der Mainzer Straße und der Domhofstraße wieder über die Ufer und der Archivkeller des Quartettvereins
im alten Pfarrhaus wurde wieder mit Schlamm überflutet. Was das erste Hochwasser überstanden hatte, wurde nun ein zweites Mal getränkt.
Die meisten Gegenstände wurden nun dem Sperrmüll überantwortet und der Vorstand ist der schwierigen Aufgabe enthoben,
über eine künftige Aufbewahrung zu entscheiden.

 

Mehlem, Mainzer Straße